Unalome

Das Unalome ist ein Symbol des Buddhismus und wird oft als Zeichen für den Weg zur Erleuchtung beschrieben. Da der Begriff Erleuchtung bei uns im Westen ein sehr abstraktes Konzept ist, sage ich zumeist, dass es das Symbol für den Weg von der Trennung in die Ganzheit ist.

Das Symbol fängt in der Mitte der Spirale an; dieser Punkt symbolisiert unsere Geburt in die irdische Sphäre. Hier erfahren wir Trennung; Trennung vom mütterlichen Körper; die Erfahrung, dass unser Körper unser eigener ist und wir ‘alleine’ in ihm sind.

Diese Trennung wird benötigt, um Erfahrung zu sammeln. Denn ich kann etwas nur erfahren, wenn es sich ausserhalb von mir selbst befindet; ich kann nicht mit einem Stift schreiben, wenn er nicht physisch von mir getrennt ist.

Je älter wir werden, desto mehr weitet sich unser Bewusstsein aus; wo sich unser Tätigkeitsfeld als Baby auf wenige Meter beschränkt, weitet es sich als junger Erwachsener immer mehr aus.

Und so lernen wir immer mehr über die Materie, und über unsere Interaktion damit. Weisst du noch, wie lange es gedauert hat, bist du schreiben und lesen konntest?

Irgendwann kommt der Moment, wo wir uns fragen, was denn hinter der Materie steckt. Dies kann einerseits durch ein Interesse an Philosophie und der Frage nach dem Sein geschehen, aber auch durch einschneidende Erlebnisse oder bestimmte Erfahrungen, die einen tiefer blicken lassen.

Bei mir war der Moment ein ziemlich alltäglicher; und zwar geschah es immer wieder, dass meine beste Freundin auf unser Haustelefon anrief, zwei Sekunden nachdem ich an sie gedacht hatte.

Erst hielt ich das für Zufall (heute weiss ich dass Zufall das ist, was einem zufällt (; ) — doch nachdem dieser Vorgang sich über 20 mal wiederholt hatte, wusste ich, dass da etwas anderes dahinter sein musste. Und so fing ich an, mich mit Empathie, Telepathie und dem kollektiven Unterbewusstsein zu befassen.

Plötzlich befand ich mich nicht mehr in der Spirale des Unalomes, die das sich ausdehnende Bewusstsein symbolisiert, sondern in der ersten Schlaufe. Ich nenne den Schlaufen-Teil des Symbols gerne “die Wendeltreppe des Egos”, da sie das aufsteigende Bewusstsein und somit die Dis-Identifizierung mit allem, was wir nicht sind, symbolisiert.

Meine erste Schlaufe war, dass ich immer mehr über das kollektive Unterbewusste erfuhr, und lernte, dass wir alle miteinander verbunden sind. Ich fand alles, was ich nun erkannte, dermassen spannend, dass ich nicht mehr verstehen konnte, wie jemand sich mit dem Materiellen zufriedengeben konnte. Ich verurteilte innerlich jeden, der immer noch seinem nächsten Porsche nachjagte.

Den Aufstieg in die nächste, schon ein wenig kleinere Schlaufe schaffte ich während einer sehr tiefen Meditation, in der mir aufgezeigt wurde, dass alles eins ist. Ich bin alles und ich bin nichts — es bringt also nichts, mich für etwas Wichtigeres zu halten, oder mich mit anderen zu vergleichen, da ich genau da bin, wo ich bin… aber gleichzeitig auch nur soweit, wie der, der gerade erst in der Spirale angekommen ist, als auch so weit wie der, der bereits den ganzen Weg hinter sich gebracht und das Nirvana, die Verschmelzung mit dem All-Einen kosmischen Bewusstsein, erreicht hat. Wenn ich mich über oder unter Andere stelle, zolle ich erstens meinem eigenen Weg keinen Respekt und zweitens stagniere ich an Ort und Stelle, ohne vorwärts oder zurück zu kommen. Ich war sehr dankbar für diese Einsicht, denn schon Osho meinte: “Unser grösstes Ego ist das Spirituelle.” Dies war meine erste Dis-Identifizierung. Meine weiteren Schlaufen waren die Dis-Identifizierung mit dem Stolz, die Dis-Identifizierung mit den Gedanken. Zurzeit arbeite ich daran, mich nicht mehr über meine Emotionen zu definieren. Ich bin das ich bin — niemals mehr, niemals weniger. Reines Bewusstsein in irdischer Aktion. Jeder von uns hat seine eigene Wendeltreppe des Egos, sowie seinen ganz eigenen Weg von der Trennung in die Ganzheit — meine Geschichte soll nur als Beispiel dienen.

Nachdem man die letzte Schlaufe des Unalomes hinter sich gelassen hat, hat man sich in seinem inneren Kern eingependelt. Alle Umwege des Egos waren nötig, um in deine Essenz zurück zu finden. Erst wenn man Trennung erfahren hat, kann man auch Ganzheit erfahren — zumindest in der Sphäre der Dualität.
Und so schlängelt sich die Linie des Unalomes weiter (die Schlange symbolisiert kosmische Weisheit und göttliche Energie — ihr Muster beim Bewegen den Herzschlag, der uns alle antreibt) — an der Stelle mit den Schlangenlinien symbolisiert sie, dass wir in unserer Essenz angekommen sind und mit dem Fluss des Lebens fliessen, anstatt dass wir von ihm hin- und hergeschlagen werden. Wir haben verstanden, dass wir der Fluss sind, nicht das Boot — dass unser Ego ein Teil des Ganzen ist, aber nicht so wichtig, wie es sich gerne einbildet. Dass das Leben durch uns fliesst, und wir ihm nur erlauben müssen, sich durch uns auszudrücken, anstatt alles durch unsere Gedanken und Taten kontrollieren zu wollen.

Die gerade auslaufende Linie am oberen Ende steht für den Weg ins Nirvana, die Verschmelzung mit dem kosmischen Bewusstsein. Der abschliessende Punkt ist Nirvana; wie das Paradies oder Shambala ist Nirvana kein Ort, sondern ein Zustand. Das Verständnis der Wahrheit hinter dem Schleier der Illusion.