Strukturen

Bei näherer Betrachtung sind Strukturen in unserem Leben allgegenwärtig. Wir nehmen sie nicht wahr, weil sie unsichtbar sind – sie sind das Gitter, das die Kreation, die manifestierte Realität, zusammenhält. Alles in der Natur hat eine chemische Signatur, einen Code, der seine Form in der manifestierten Realität definiert. Ein Embryo folgt in seiner Entwicklung ausschliesslich dem genetisch in seiner DNA verankerten Ablauf – nicht ein Millimeter wird davon abgewichen. Jedes Netzwerk folgt einzig und allein dem binären Code, der ihm zugrunde liegt; ein einziger Fehler in diesem Code lässt das Ganze scheitern. Eine Blume entfaltet sich genau so, wie es in ihrer Signatur vorgegeben ist – ihre Blüten breiten sich sanft genau so weit aus, wie ihr Code und die äusseren Einflüsse es zulassen. Wie bei allem in der manifestierten Realität sind auch Entstehung und Evolution ein Zusammenspiel von Innen und Aussen, innerem Code und äusserem Einfluss.

Die Wirkung der äusseren Einflüsse auf das Resultat der Kreation sind jedoch objektiv betrachtet minimal, wenn man sie mit der Wirkung des Codes vergleicht. Ein menschliches Embryo mag vorbelastet werden durch gewisse Verhaltensweisen seiner Mutter während der Schwangerschaft, aber wenn diese Verhaltensweisen nicht tödlich enden, wird ein Mensch aus diesem Embryo, mit Lungen, einem Herzen, zwei Beinen, zwei Armen, einem Kopf. Aus der Struktur der DNA geht die Struktur des Skeletts hervor, die Struktur der Gefässe, der Zellen… Dann wächst das Kind, und übernimmt durch Nachahmen die mentalen und emotionalen Strukturen seiner Eltern – auch wenn die Meinungen des Kindes später äusserlich teilweise ins Gegenteil derer seiner Eltern fallen, seine radikale Herangehensweise oder sein charmantes Verhalten wird dem seiner Eltern stark ähneln.

Gleich verhält es sich in der Natur: ist Bergkristall während seinem Wachstum ionisierender Strahlung ausgesetzt, verfärbt er sich violett und wird von uns Menschen Amethyst genannt – seine kristalline Struktur bleibt aber beinahe unverändert. Ein Lotos wird immer im Schlamm wurzeln, ein Farn nur in einigermassen feuchten Gebieten wahrlich gedeihen; dies ist ihrem Code, der genetischen Struktur, aus der sie entstehen, zu verdanken. Sprich, die Struktur hat einen grösseren Einfluss auf die endgültige Form als der äussere Einfluss, da der zugrunde liegende Code die Anpassungsfähigkeit an äussere Einflüsse vorgibt.

Wir finden Strukturen im All, wenn wir uns die Sternenkonstellationen genauer ansehen, und wir finden sie in allem um uns herum, wenn wir gewillt sind, genau hinzusehen. Nichts existiert ohne eine ihm zugrundeliegende Struktur, ausser eventuell der Raum / Äther – auch wenn ich mir sicher bin, dass wir derzeit nur nicht über die technologischen Mittel oder den inneren Horizont verfügen, um die Struktur des Raumes oder den Code des Äthers zu definieren.

Die DNA und alle anderen natürlichen Strukturen sind sicher mit ein Grund, warum mich Symbole seit jeher interessieren; auch sie sind ein Code, programmiert von unseren Vorfahren, indem sie natürliche Muster imitierten. Und wenn man ihre Sprache spricht, kann man selbst mit ihnen programmieren. Man kann eine Geschichte erzählen, codiert in Symbolen. Man kann ein Zeichen setzen für den Weg, den man beschritten, selber entfaltet hat. Man kann einen Code schreiben für den neuen Abschnitt eines Weges, man kann mit ihnen Verbindungen schaffen, Intentionen setzen und sie in Ritualen jeglicher Art verwenden. Symbole sind so klar und offensichtlich, jedoch nur für denjenigen lesbar, der bereits tiefer in die Quelle geblickt hat.