Absicht

Ist es nicht interessant, wie sehr unsere Wahrnehmung unserem Fokus unterliegt? Wie auf einer Fotografie verschwimmt alles im Hintergrund des- oder dasjenigen, auf dem unser Fokus gerade liegt. Je nachdem, worauf wir ihn halten, fühlt sich unsere Realität ganz anders an.

Liegt mein Fokus beispielsweise auf all den Dingen, die ich nicht habe, aber gerne haben möchte, fühle ich mich nicht so gut. Ich fühle mich, als würde mir etwas fehlen, obwohl dem objektiv betrachtet nicht so ist. Mir fehlt dieses Objekt der Begierde nicht – ich besitze es einfach nicht. Liegt mein Fokus hingegen auf all den Menschen, Momenten und Dingen, die mich erfüllen und für deren Rolle in meinem Leben ich grosse Dankbarkeit verspüre, fühle ich mich gut. Ich fühle mich ausgeglichen und ein Gefühl der Liebe durchdringt mich. Mein Fokus ist also massgeblich dafür verantwortlich, wie ich denke und mich fühle. Das, worauf ich mich fokussiere, nimmt mich auf eine gewisse Art und Weise ein. Tagein, tagaus erschafft mein Fokus so meine Realität – ob diese meines Erachtens positiv oder negativ ist, hat vorallem damit zu tun, wie sehr ich die Verantwortung für meinen Fokus und seine Steuerung übernehme. Wenn ich meinen Fokus in positiver Absicht auf meinen eigenen Garten richte, egal wieviel Unkraut darin wuchert, so wird dieser Garten mit der Zeit in wunderschöner Blüte stehen, da ich ihm meine Aufmerksamkeit widme und ihn nähre.

Dies geschieht mit allem, auf das ich meinen Fokus richte; egal, ob dieses Etwas in meinem Fokus von mir als positiv oder negativ empfunden wird, ich nähre es durch meine Absicht und dem ihr folgenden Fokus. Die Intention spielt dabei eine äusserst wichtige Rolle; wende ich mich meinem eigenen Garten beispielsweise mit Wut oder Ekel ob des in ihm wuchernden Unkrauts zu, und kritisiere mich selbst für dieses Schlamassel, ist meine Absicht wahrscheinlich eher negativ und wird noch mehr Unkraut zum wuchern bringen.

Absicht, oder Intention, ist ein Werkzeug des Verstandes, sozusagen die gedankliche Struktur meiner Taten. Meine Absicht bestimmt in grossem Masse meinen Fokus und das Ergebnis meiner Handlungen – sie ist die Struktur hinter ihnen, die Motivation, aus der heraus ich etwas tue, der Code, aus dem mein Handeln entsteht. Tiere sind sehr gut im Erfühlen von menschlichen Absichten; demjenigen, der ihnen Böses will, kommen sie nicht zu nahe, wohingegen sie demjenigen, der reinen Herzens ist, offen und herzlich begegnen.

Die Absicht ist auch das Hauptwerkzeug in jedem Ritual, sei es antik oder neuzeitlich. Erstens bestimmt die Absicht, ob das Ritual weiss- oder schwarzmagisch ist: ist die Absicht eine eigennützige, ist die daraus entstehende Magie schwärzer als die Neumondnacht. Ist die Absicht eine gemeinnützige, ist die daraus entstehende Magie weisser als der Neuschnee. Hierzu sei gesagt, dass Magie nichts Anderes als die Meisterschaft über die mentalen, emotionalen und astralen Werkzeuge war und ist; durch die religiösen Kriege wurden nicht nur die Alchemisten und die Hexen, sondern auch ihr grosses Erbe verstümmelt. Dazu jedoch eines anderen Tages mehr. Zweitens ist die Absicht wie auch sonst im Leben in jedem Ritual die Struktur, der Code aus dem sich das Endergebnis ergibt. Sprich, meine Absicht formt das Ritual sowie auch sein Resultat.

Meine Absicht hat aber nicht nur Einfluss auf allfällige Rituale; sie hat einen Einfluss auf meine gesamte Realität. Sie ist, wie bereits erwähnt, der Grund, aus dem ich etwas so tue, wie ich es tue. Und hier kommt der Fokus wieder in’s Spiel – erst durch eine klare Absicht kann ein klarer Fokus entstehen. Dies ist auch sehr wichtig, wenn mit Symbolen jeglicher Art gearbeitet wird.

So wie der kleine Samen alle Informationen für den mächtigen Baum enthält, tut dies auch unsere Absicht. Sie ist also der Anfang, der Ursprung, der gleichzeitig bereits eine Vision des Endes, der Schöpfung enthält. Es ist an uns, diese Samen weise auszusäen.